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Wenige Berufe üben eine Faszination aus, die vergleichbar ist
mit der des Dirigenten.
Erstens, handelt es sich um eine zweifelsohne künstlerische Tätigkeit,
Musik, klassische Musik, also etwas Besonderes. Dazu kommt die Vorstellung – die wir später auf Wahrheit überprüfen werden – des Dirigenten immer auf Reisen, Besucher von fernen Ländern, von den schönsten Metropolen, von den wichtigsten Orten der Kultur, aber auch der High-Society, geliebt von der Menge, geehrt von den Mächtigen, begehrt von den schönsten Frauen, der Dirigent als privilegierter „Jet-Setter“ und – selbstverständlich – wohlhabend, oder mit Sicherheit sogar reich.
Eine Reihe von Klischeevorstellungen die ich – leider – werde entkräften müssen.
Aber vielleicht noch mehr als all das, die Vorstellung des Orchesterdirigenten als eines der letzten Beispiele eines Diktators in der modernen Welt, eines Tyranns, eines absolutistischen Monarchs, eines absoluten Herrschers mit Bestimmung über Leben und Tod eines lästigen Insektenschwarms – die Orchestermusiker – Insekten welche sich durch nichts auszeichnen als durch Disziplinlosigkeit, Rebellionsdrang, Inkompetenz, Ignoranz, Arroganz und Gier.
Solche Legenden werden von einer langen Serie von Anekdoten genährt. Der österreichische Dirigent ungarischer Abstammung Fritz Reiner, Chefdirigent des Chicago Symphony Orchestra in den vierziger Jahren, wurde während einer Probe von einem Orchestermusiker unterbrochen, der sich beschwerte: „Maestro, ich kann Ihren Taktstock nicht sehen“ – er meinte wohl, der Maestro möge mit etwas größeren Bewegungen dirigieren. Blitzschnell warf Fritz Rainer seinen Taktstock nach dem verdutzten Musiker, mit den Worten „Jetzt siehst Du meinen Taktstock!“. Der Orchestermusiker wurde am gleichen Tag gefeuert. Oder die berühmten Schimpftiraden von Arturo Toscanini, der während einer Probe zu Giuseppe Verdis Oper „La Traviata“ die Musiker seines NBC Orchestra in New York zuerst in einem etwas merkwürdigen Englisch, dann aber auf italienisch beschimpft als „manica di manigoldi, ignoranti, stupidi idioti! Vergognatevi!“ – „elendige Horde von Schuften, Ignoranten, dumme Idioten, schämt euch!“ Das ist übrigens nicht nur eine Anekdote, sondern es gibt ja sogar eine Aufnahme davon.
Also, so viele landläufige Verallgemeinerungen, die es zu korrigieren gilt, man soll die Realität anschauen und sich fragen: was ist und was tut ein Dirigent?
Ich bin sehr geehrt, liebe Freunde des Rotary Clubs, hier bei Ihnen sein zu dürfen, ich möchte Ihnen gerne näher bringen, was es bedeutet, Dirigent zu sein, und möchte beginnen, in dem ich versuche zu erklären, wie man überhaupt Dirigent wird.
Und gerade hier treffen wir wieder auf eine weit verbreitete Meinung, die besagt, Dirigent kann man nicht werden, als Dirigent wird man geboren. Dabei sagt uns sogar der „Duden“, dass die Basis eines Berufes die Ausübung einer Technik ist – oder sein soll. Das gilt auch bei dem Beruf des Dirigenten – aber, wie lernt man diese spezifische, notwendige Technik?
Mein Lehrer, der Dirigent Milan Horvat, der einzige Dirigierlehrer den ich gehabt habe, sagte immer: die unabdingbare Basis ist die Beherrschung eines Musikinstruments, es ist notwendig, dass der Schüler sich mit einem Instrument musikalisch ausdrücken kann: welches Instrument es sein mag, das ist sekundär: Orgel, Violine, Akkordeon oder Mundharmonika, das macht keinen Unterschied, wichtig ist nur die Fähigkeit, die Technik des Instruments so zu beherrschen, dass man die musikalischen Intentionen durch dieses Instruments mitteilen kann. Das mag logisch und selbstverständlich klingen, ist aber von primärer Bedeutung, weil es die Fähigkeit unterstreicht, mit dem eigenen Körper Klänge produzieren zu können, sozusagen Musik zu „machen“. Musikologie zu studieren ist nicht genug; musiktheoretisch gebildet zu sein ist nicht genug; Vielhörer zu sein, im Konzert oder zu Haus mit Unmengen von CDs ist nicht genug. Da wird man höchstens das was die Amerikaner – nicht ohne Ironie – „Armchair-Conductor“ nennen: sich mit den Armen austoben, mehr oder weniger synchron zu den Lautsprecherklängen.
Da haben wir also die erste Stufe, ein Musikinstrument, so früh wie möglich angefangen, also am Besten im Kindesalter – obwohl es viele Beispiele gibt, von hervorragenden Musikern, auch Dirigenten, die viel später mit eine Instrument angefangen haben – das geht aber nicht mit jedem Instrument. Also, ein Instrument aussuchen, einen geeigneten Lehrer finden, dann Fleiß, Kontinuität, Opferbereitschaft – selbst als kleines Kind – mit Hilfe von Eltern die gleichzeitig verständig aber kohärent sein sollen, streng aber hilfsbereit, und die auch die eigene Zeit opfern sollen, um den Kindern beim Studium zu helfen. Zu dem Hauptinstrument kommen dann, allmählich, die verschiedensten Nebenfächer, in Italien zum Beispiel Solfège, Harmonie und Musikgeschichte, für Studierende eines Streich- oder Blasinstrumentes ist das Studium des Klaviers einige Jahre Pflicht.
Dem Klavier kommt für einen angehenden Dirigenten eine besondere Bedeutung zu, das werden wir aber etwas später besser erläutern.
Der Studienweg ist von Land zu Land verschieden: während zum Beispiel in Italien der Studienzweig Orchesterdirigieren nur nach einem recht fortgeschrittenen Kompositionsstudium zugänglich ist, kann man in den deutschsprachigen Ländern an fast jeder Hochschule oder Musikuniversität nach einer Aufnahmeprüfung zum Studium zugelassen werden, mit relativ geringen Vorkenntnissen. Das Studium des Orchesterdirigierens ist an und für sich ein musikalisches und technisches Studium. Die Technik ist im Großen und Ganzen einer Zeichensprache vergleichbar: auf der Basis einer eher instinktiven Gestensprache, lernt man die Tempogabe zu kommunizieren, normalerweise mit dem rechten Arm, dessen Verlängerung der Taktstock ist. Eine klare Tempogabe ist notwendig, damit alle Orchestermusiker im Stande sind, ihre Stimme – das sind die Noten auf dem Pult – in der gleichen Geschwindigkeit zu spielen. Der Dirigierschüler wird die verschiedenen Taktarten lernen müssen, mit zwei Schlägen pro Takt (wie eine Polka), drei Schlägen (wie beim Walzer) oder vier und mehr Schlägen pro Takt.
Der linke Arm übernimmt für gewöhnlich die Mitteilung der Dynamik und des Ausdrucks: lauter, leiser, das Legato, die Brillanz, ein „Crescendo“ – also die allmähliche Verstärkung der Lautstärke – ein „Diminuendo“ – die Verminderung der Lautstärke. Was allerdings so einfach klingt, erfordert natürlich viel Übung.
Das musikalische Studium basiert auf eine Grundliteratur, das sind die wichtigsten Orchesterkompositionen – oder auch Opernkompositionen – aus den verschiedenen Epochen, die damit verbundenen interpretatorischen Probleme, die Analyse des Aufbaus der Komposition, die harmonische Analyse (das ist das Verhältnis zwischen den verschiedenen Akkorden einer Komposition), die tiefere Bedeutung und Aussage eines Musikwerkes.
Das also der, sagen wir, akademische Weg um das Diplom zu erlangen. Unser junger Freund, jetzt im Fach Orchesterleitung diplomiert, hat ein schönes Papier, das er verschiedentlich verwenden kann: verschlossen in der unteren Lade des Schreibtisches, aufgehängt im Wohnzimmer, vergessen unter vielen anderen Papieren (wie es bei mir der Fall ist), aber sehr selten wird ihm dieses Diplom ermöglichen, eine stabile Tätigkeit als Dirigent zu beginnen, auf die er seine Existenz wird gründen können. Und das obwohl er, auf dem Papier, dazu befähigt ist, mit allem Drum und Dran, inklusive Unterschrift der Prüfkommission und Stempel der diesbezüglichen Institution.
Warum also kann unserer frisch Diplomierter sich nicht einfach neben das Telefon hinsetzten und zurücklehnen, und warten auf die Unmenge von Anrufen, die ihn aus allen Ländern erreichen werden? (Das ist doch das, was sich ein frisch Diplomierter erwartet, und das ist das, was ich mir während des Studiums ausgemalt hatte, im naiven Glauben, dass die musikalische Welt eigentlich nur auf mich wartete… Schon gegen Ende meines Studiums hatte ich aber einen besseren Bezug zur Realität).
Und dadurch sind wir jetzt bei unserem wichtigsten Thema angekommen: was es bedeutet, Dirigent zu sein, was wird von einem Dirigenten verlangt.
Wir sprachen also vom akademischen Weg, das Erlernen eines Instrumentes, gefolgt, oder begleitet, von einem Kapellmeisterstudium, je nach Land verschiedentlich gegliedert und organisiert.
Noch zwei Methoden, oder besser gesagt noch zwei Möglichkeiten sollen hier noch erwähnt werden, zudem sie nicht wenige Musiker zum gewünschten Ziel gebracht haben, die trotz fehlendem „regulären“ Studiums es geschafft haben. Nur zwei Namen, die wir alle kennen: Arturo Toscanini und Carlo Maria Giulini.
Beide waren Orchestermusiker: Toscanini beginnt sehr jung als Cellist in einem ad hoc zusammengestellten Orchester für eine Operntournee in Südamerika. Der vorgesehene Dirigent wird krank, der kaum zwanzigjährige Toscanini – in einem Anflug von Frechheit und Mut – bietet sich an, um die Vorstellungen als Dirigent sozusagen „zu retten“. Ein unglaublicher Erfolg, der Name Toscanini wird im Nu weltberühmt: wir sind am Ende der Achtziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts, und in wenigen Jahrzehnten wird Toscanini der größte italienischer Dirigent aller Zeiten und einer der Berühmtesten seiner Zeit. Nach einigen Problemen mit dem italienischen Faschismus wird er Italien verlassen, um erst nach dem Krieg zurückzukehren, um das wiederaufgebaute Teatro alla Scala in Mailand zu eröffnen.
Etwas anders, und natürlich an die moderneren Zeiten angepasst, die Karriere von Carlo Maria Giulini. Er beginnt als Bratscher im prominenten Orchestra dell’Accadiemia di Santa Cecilia in Rom – das beste sinfonische Orchester Italiens – und verlässt dann dieses Orchester um sich ausschließlich der Orchesterleitung zu widmen, zuerst als Assistent anderer Dirigenten, dann auf eigenen Füßen.
Seine Motivation, mit seinen eigenen Worten „Weil das Orchester mir zu eng geworden war“.
Was bedeutet das?
Ganz einfach, dass damals wie heute die Tätigkeit des Dirigenten als die Königsdisziplin eines Musikers gilt, ein grenzenloses Repertoire, aber nicht nur: ein Repertoire in dem jeder Komponist versucht, das Beste von sich zu geben. Einige der großartigsten Komponisten der Vergangenheit, wie Anton Bruckner oder Gustav Mahler schrieben sogar fast ausschließlich für großes Orchester, da sie davon ausgegangen sind, dass nur das große symphonische Orchester im Stande ist, ihre Gedanken adäquat in Musik zu übertragen.
Wir sollten uns dann in einen Orchestermusiker versetzen, exzellenter Instrumentalist und exzellenter Musiker überhaupt, der einerseits das Glück hat, Tag für Tag den Kontakt mit den schönsten Kompositionen von den größten Komponisten zu haben. Andererseits hat er auch die dienstliche Verpflichtung, sich den interpretatorischen Anweisungen der Dirigenten unterzuordnen – diese Verpflichtung wird für viele ein schreckliches Schicksal wenn nicht sogar ein Fluch.
Diese Dirigenten sind manchmal von guter Qualität, manchmal mäßig, oft indiskutabel. Wir können unseren Freund wirklich nicht tadeln, wenn er einmal entscheidet zu versuchen, eigene Ideen zu verwirklichen, Ideen die oft jahrelang in seinem undankbaren Orchesterdienst gereift sind. So wird aus einem qualitativ guten aber frustrierten Orchestermusiker ein guter Dirigent, manchmal – wie bei Toscanini oder Giulini – sogar ein hervorragender Dirigent.
Ja, aber: die Technik? wird einer aus dem Saal rufen. Diese Dirigenten haben das Metier nicht wirklich gelernt.
Ja, und spätestens hier können wir verstehen, wie relativ unbedeutend ein „Titel“ – verglichen mit den reellen Fähigkeiten – sein kann. Musikalische Qualitäten, wie bei Giulini, oder rhythmische Präzision, wie bei Toscanini, machen eine etwas hausgemachte Technik durchaus wett: grobe aber effiziente Technik bei Toscanini, fast nicht existierende Technik bei Giulini, bei dem Charisma, Kommunikationsgabe, musikalische Intensität und künstlerische Integrität Technik eigentlich überflüssig gemacht haben.
Zwei Wege zum Dirigentenwerden haben wir gesehen, ein dritter Weg ist der Weg der Erfahrung. Der junge Musiker, der ein Star des Dirigentenpodests werden möchte, schafft es, sich – dank seiner pianistischen Fähigkeiten – von einem Opernhaus einstellen zu lassen.
Von der so genannten „Pike“ aus, langsam, allmählich, in Jahren direkten Kontaktes mit Opern, Dirigenten, Sängern, mit der vertieften Kenntnis der Theaterabläufe, eignet er sich die Erfahrung und die Kenntnis des Repertoires an, notwendige Voraussetzungen für den dirigentischen Beruf.
Das ist der Königsweg – das ist auch der Weg von Furtwängler, Karajan, Sawallisch gewesen – der Weg der mitteleuropäischen Opernhäuser, in denen man dem jungen, ambitionierten Korrepetitor (so heißt der Pianist der in den szenischen und musikalischen Proben bei einer Opernproduktion das spielt, was in den Endproben vom Orchester übernommen wird) also diesem Korrepetitor die Chance gibt, eine oder mehrerer Vorstellungen zu dirigieren, vielleicht als Einspringer im letzten Moment für den plötzlich erkrankten vorgesehenen Dirigenten. Wenn diese Chance genutzt wird, kann das für den jungen Musiker ein Sprungbrett bedeuten.
In Italien, wo es besonders schwer ist, vorhandene Hierarchien zu durchbrechen, ist dieser Weg schwer, fast unmöglich. Viele junge Pianisten, die Dirigent werden möchten, versuchen dann krampfhaft eine Assistenz bei schon etablierten Dirigenten zu ergattern. Die Kompetenzen in diesem Fall gehen vom Koffertragen bis zu Fehler in den Orchesterstimmen zu korrigieren: manchmal darf man dann eine Soloprobe mit einem unmusikalischen und renitenten Sänger machen, oder sogar eine Stimmprobe – also eine Probe nur mit den Streichern oder den Bläsern eines Orchesters – dirigieren.
Endlich sehen wir jetzt unseren jungen, ambitionierten Dirigentenanfänger der hat es geschafft, ein Engagement bei einem professionellen Orchester zu bekommen. Er ist fünfundzwanzig – dreißig Jahre alt, also nicht mehr ganz jung, aber mit fast nicht existierender praktischer Erfahrung. Und die Zeiten, seit ein Fritz Reiner seinen Taktstock werfen konnte, oder ein Toscanini einen Geiger als Idioten titulieren konnte, diese Zeiten haben sich geändert: das durchschnittliche Niveau der Orchester ist enorm gestiegen, die Musiker die heute in ein Orchester engagiert werden, sind technisch auf höchstem Niveau ausgebildet, viele von ihnen sind hervorragende Musiker mit vielen kulturellen Interessen, Fähigkeiten und Ansprüchen. Unser junger Freund kommt in die Situation, Anweisungen einem Orchester zu geben, deren Mitglieder nicht nur fast alle älter sind als er selbst, sondern die schon unzählige Male gerade das Werk gespielt haben – und das auch mit guten und erfahrenen Dirigenten – das unser junger Dirigent zum allerersten Mal zu dirigieren im Begriff ist.
Abgesehen also von seinen technischen Fähigkeiten, von Sauberkeit und Klarheit der Bewegung und Partiturkenntnis, unser junger Freund wird zeigen müssen, dass er klare Ideen über die musikalische Struktur des Werkes hat, wird überzeugen müssen mit der Kommunikation solcher Ideen, wird Anweisungen geben müssen, kurz, sachlich und kompetent.
Er wird außerdem das Orchester respektieren müssen, und daher dessen Mitgliedern mit Respekt begegnen, ohne sich aber anzubiedern, jedoch auch Respekt verlangen.
Er wird vor allem zeigen müssen, dass er ernsthaft und intensiv arbeiten will, ohne aber Attitüden anzunehmen: weder kumpelhaft noch arrogant.
Er wird Sicherheit zeigen müssen, aber auch Demut, Demut für seine Aufgabe, Demut für die Größe der musikalischen Werke, die er dirigiert.
Er wird viel fordern und verlangen müssen, aber auch dankbar sein für das, was die Musiker ihm musikalisch anbieten werden, und sich dafür bedanken – diskret.
Er wird ein „Primus inter Pares“ sein müssen, daher keine Zweifel darüber aufkommen lassen, dass er der Dirigent ist, also der Leiter, dennoch wird er das Orchester auch zur eigenständigen Teilnahme am musikalischen Diskurs animieren und motivieren.
Das ist, liebe Freunde des Rotary Clubs, die Erfahrung aus dem Schlachtfeld.
Das ist das, was keine Musikhochschule lehren kann.
Aus der eigenen Erfahrung lernen, von den eigenen Fehlern lernen, den eigenen Prinzipien treu bleiben – auf diese Weise kann man vielleicht in das Berufsleben des Dirigenten eintreten, als Angestellter eines Opernhauses, oder als Chefdirigent eines Orchesters, oder als Gastdirigent von verschiedenen Orchestern, national, international.
Die finanziellen Verdienste, nach einem schweren und unsicheren Beginn… bleiben unsicher, immer von der Nachfrage abhängig. Und diese Nachfrage hängt von verschiedenen Faktoren ab: die Qualität, später der Name – Garantie von Qualität , die ruhige und ernsthafte Arbeitsweise, die Anerkennung der Orchester, der Erfolg beim Publikum und zum Teil bei der Presse.
Das Leben des Dirigenten, wenn unser frisch Diplomierter es schaffen wird, es zu leben, ist ein Leben geteilt zwischen Studium, Organisation, Reisen, Arbeit von Proben mit Orchestern und Sängern, Erfolgen, Misserfolgen, Verzichten und Opfern. Ein Berufsleben im grellen Licht, umso dunkler sind die Schatten, sowohl im Berufs als auch im Privatleben. Für diejenigen welche Familienleben anstreben, ist die Hilfe und die Unterstützung eines aktiven, starken und verständigen Partners unerlässlich. Stärke und Verständnis sind aber auch Tugenden, die ein Dirigent haben muss, um die unvermeidlichen Schwierigkeiten im Privatleben zu überwinden.
Die ersten zehn, fünfzehn Jahre im Berufsleben eines Dirigenten sind vor allem Jahre des Lernens, des sich Entwickelns, Jahre in denen die persönliche Reifung Hand in Hand mit der musikalischen geht: diese zwei Prozesse sind untrennbar.
Wir überlassen unseren jungen Maestro seinem Schicksal, wir gehen aus dem Probesaal raus, wir wollen nicht wissen, wie sein Debut war. Positiv oder weniger positiv, das wird ein wichtiger Beitrag zu seiner Erfahrung sein.
Vor ihm steht eine der schönsten und reinsten Tätigkeiten die man sich vorstellen kann: Musik den anderen Schenken, mit Musik Gefühle, Stimmungen und Seelenzustände mitteilen, die man mit Worten nicht ausdrucken kann. Freude und Dankbarkeit sollten deswegen zum Dasein eines jeden Musiker dazugehören. Musik kann keine Menschenleben retten, sie kann auch nicht Kriege beenden. Sie kann aber aus uns bessere Menschen machen.
Was mich betrifft, hoffe ich, Ihnen eine kleine Einleitung geboten zu haben, wie man ein Dirigent – oder überhaupt Musiker – wird, und bedanke mich sehr herzlich für Ihre Einladung und für Ihre Aufmerksamkeit.
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