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Jan 12, 2006
“Die Volksoper hat keine Identitätsprobleme”
Erschienen in “Die Presse” am 12.01.2006
Wienerische Theater-Irrtümer, von Wilhelm Sinkovicz, 10. Jänner
Dass ein Anforderungsprofil für die Volksoper erstellt werden soll, ist, gelinde gesagt, bizarr. Und das Warum bleibt schleierhaft, denn gerade die Volksoper hat keine Identitätsprobleme, oder sollte zumindest keine haben: Sie hat als natürliche Bestimmung die Bespielung eines Repertoires, das weder die Staatsoper noch das Theater an der Wien pflegen kann oder soll: Operette freilich (aber mit einem sich dazu bekennenden Intendanten und einem mutigen Chefdirigenten), aber auch Spieloper, Mozart in deutscher Sprache, Raritäten und – warum nicht – experimentelles und trasgressives Musiktheater, und das alles mit Überzeugung und Liebe zur Sache. Sollten aber die offensichtlichen gegenwärtigen Gedankenspiele zur Folge haben, dass die Volksoper zum fatalen Zustand des “zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben” gebracht wird, wird in absehbarer Zeit nicht nur eine kulturelle Institution verschwinden, sondern auch die Inhalte, die sie transportierte. Eine Lösung? Vielleicht doch die Zusammenlegung von Volksoper und Staatsoper: um Synergie zu erzeugen, um Doubletten zu vermeiden, um bessere Ensemblepolitik zu machen, um programmatisch und stilistisch komplementär zu agieren. Man braucht für die Volksoper kein Anforderungsprofil, sondern schlicht und einfach ein Bekenntnis.
Fabio Luisi
1010 Wien
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