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Jan 02, 2007
Aus der Tageszeitung “Die Presse”:
Feuriger noch als im Original notiert
(Die Presse) 02.01.2007
Fabio Luisi dirigierte im Konzerthaus zum ersten Mal Beethovens Neunte Symphonie.
Auch für viele, die der (fälschlich so genannten) klassischen Musik sonst fernstehen, ist Beethovens Neunte Symphonie ein Inbegriff einzigartiger Bedeutung und legendärer Größe. Keine andere Melodie konnte treffender zur Europahymne gekürt werden als das “Freudenthema” des letzten Satzes. Und speziell in Wien ist – fast möchte man meinen, seit Menschengedenken – ein Jahreswechsel ohne Aufführungsserie von Beethovens op. 125 völlig undenkbar: Der ekstatische Taumel des Finales reißt unwiderstehlich alle Zukunftssorgen mit sich fort.
Der große Gewinn der drei Abende war heuer zweifellos Fabio Luisi am Pult, der als Chef der Wiener Symphoniker erstmals die Zügel dieser Konzertreihe in die Hand nahm. Nicht nur, dass er in dieser Eigenschaft gleichsam Heimvorteil genoss – mit straffer Führung und klarer Zeichengebung hatte er seine Leute fest im Griff. Und man merkte auch, wie erfolgreich er an der hier so schwierigen Balance zwischen Streichern und Bläsern gearbeitet hatte.
Wesentlicher noch, dass da eine starke Persönlichkeit spürbar wurde, die gewillt und fähig war, eigene Vorstellungen auf überzeugende Weise in die Interpretation einzubringen. Dass Luisi sich dabei des Öfteren souverän über Beethovens Vorschriften hinwegsetzte – oder sagen wir es milder: sie elegant beiseite schob -, nahm man dabei gerne hin. Auffallend: Während man Beethovens originale Metronomzahlen meist als zu schnell empfindet, ging Luisi – darin ganz feuriger Italiener – mehrfach noch darüber hinaus: so im Scherzo, im Seitenthema des langsamen Satzes, in der Freudenmelodie des Finales oder im abschließenden Prestissimo ebendort. Keine Frage, dass das – von Satz zu Satz intensiver und animierter mitgehende – Orchester dem problemlos zu folgen vermochte.
Nicht nur einmal gingen solche Abweichungen auch in die Richtung vertieften Ausdrucks. Das erwähnte Seitenthema des langsamen Satzes gewann so eine ungewohnte Leidenschaftlichkeit der Kantilene. Und dass das Rezitativ der Celli und Bässe im Finale nicht ganz “mais in Tempo” ging, wurde durch die erhöhte Sprachähnlichkeit aufgewogen.
Entscheidend war letztlich, mit welcher Intensität, welch’ restlosem (auch körperlichem) Einsatz Luisi sich in den Dienst der Sache stellte, mit welch’ unermüdlicher Energie er, beginnend schon mit dem wuchtig modellierten Stirnsatz, die Großformen zur Einheit zwang. Da nahm man das unausgeglichene Solistenquartett (Susan Anthony, Jane Henschel, Robert Gambill, Kwangchul Youn) in Kauf, während die auswendig agierende Singakademie alle Kraft, allen gewünschten Glanz verströmte. ghjk
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